Vatertag

Vatertag

Heute ist Vatertag, und wir sitzen gemütlich beim Frühstück, kalte Luft zieht durch die Terrassentür, die Vögel piepen laut. Plötzlich sagt Christa: Du bist doch ein „Son of a Preacherman!“ Wie recht sie doch hat! Uns glühen noch die Köpfe von gestern, als wir wieder Hobby-Genealogen waren.

Es war uns nämlich gestern gelungen – obwohl ich es zuvor überhaupt nicht für möglich hielt, also mich wirklich der Unglaube plagte – den Stammbaum zu unserem Familienpropheten Johannes Seipp hin nachzuvollziehen. Und das, obwohl alle die Familiennamen Seipp, Lang oder Ludwig tragen. Das Hessische Staatsarchiv Marburg machte das online möglich. Nicht schlecht! Christa war echt hartnäckig!

Doch zurück zu Dusty Springfield „Son of a Preacherman“. Der Text ist eine leicht traurige Erinnerung an die verflossene Liebe, und die Musik so schön sanft swingend, im Blues, manchmal dramatisch, und der Backgroundchor singt noch schöner als der Kirchenchor! Wirklich! Die sanfte Stimme von Dusty Springfield perfekt dazu passend. Bei der Version mit Aretha Franklin dominiert ihre Blues-Stimme, auch gut. Aber völlig anders.

Was erzähle ich da eigentlich? Vatertag ist heute! Und das Beitragbild zeigt meinen Vater im Alter von vielleicht 28 Jahre beim Heumachen in den Lahnwiesen. Das Besondere an diesem Bild ist, das mein Vater die Landwirtschaft eigentlich hasste. Aber was tut man nicht alles für die Liebe! Wenn deren Familie das so will… Da lächelt Mann sogar für das Foto!

Er hatte sich als der Erstgeborene seiner Eltern nämlich gegen die Landwirtschaft entschieden, hatte eine Lehre als Feinmechaniker (trotz seines Intentionstremors) erfolgreich absolviert, und besuchte gerade die Ingenieurschule in Gießen. Denn er war auf dem Weg zum Maschinenbauingenieur. Und ich finde, dass das damals eine erstaunliche persönliche Entwicklung war. Nämlich den vorgezeichneten Weg in einer Bauernfamilie zu verlassen, und eigene Wege zu gehen. Die Vergangenheit der Familie in dieser Hinsicht hinter sich zu lassen!

Zugleich behielt er aber das Glaubensbild seiner Vorfahren bei. Er blieb Preacher wie seine Vorfahren bis zurückgeblickt zu unserem Propheten Johannes Seipp, meinem Ur-Ur-Großvater. Und hat uns Kindern damit eine gedankliche Teilung der Welt vermittelt. Für ihn gab es einmal eine dynamische, technische, wissenschaftliche, musische und sogar politisch aufgeklärte Sicht neben einem konservativen, fundamentalistisch-religiösen, pietistischen, kontemplativen Blick auf die Dinge.

Das war damals schon eine enorme Spannweite! Leicht spöttisch formuliert war mein Vater in der Familie für die Weltpolitik zuständig, also für das Große und Ganze, und meine Mutter für den Rest. Keine Sorge, meine Mutter kam auch noch zu ihrem Recht, aber später erst.

Jetzt habe ich doch die Scherze, die ich mir eigentlich für diesen Tag überlegt hatte, fast vergessen:

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Albrecht Lang

    Danke, lieber Friedhelm, für Deine freundlichen Worte zu Onkel Karl, meinem Vater!

    Mir fällt noch ein markanter Satz von ihm ein, den Brigitte kolportiert hat. Aus einer Szene beim Nachhilfeunterricht bei Brigitte. Warum das nötig gewesen sein soll, ist mir in keiner Weise ersichtlich.

    Karl zu Brigitte: „Köennt, seih so goud und vöerrstieh’s!“ Haha, und heute hat sie selbst eine Nachhilfeschule! Ob sie auch so deutlich ist zu ihren Schülern in Latein und Mathe? Seine Ungeduld, ja seine Energie und sein wirklich großes Wissen kommen in diesem Satz gut herüber. Dieses Unverständnis für die Nichtwissenden, die Ungläubigen, das hatte auch Johannes Seipp. Der Kreis ist somit geschlossen. Treffer!

  2. FF

    Bei mir müsste dieser Blogeintrag eigentlich unter dem Thema Onkel-Tag behandelt werden. Und dann käme dieser Vater, der Onkel Karl ganz groß heraus. Nein, einfach war er nicht, das haben wir beide wohl gemeinsam. Geschätzt hat er mich und ich ihn erst recht als ich ein bisschen älter als zwanzig wurde. Unvergessen ist mir, wie er seinen Mitarbeitern erklärte, wie er das mit dem Löten und den Platinen trotz des oben erwähnten Zitterns hinbekam. Sein Geheimnis: „Man muss mit beiden Händen gleichzeitig zittern“. Dann war er ein unverbesserlicher Musiker, Chorleiter Trompeter. Wir haben das überstanden und er wohl auch. Die besten Chormomente, die ich erlebt habe, waren die, als er uns im Kinderchor in der Kirche auf Trab brachte. Maurice André und Onkel Karl waren die Trompetenstars meiner Jugend. Gehört habe ich natürlich lieber den Franzosen. 1994 glaube ich erhielt ich im Dienst dann die Nachricht, dass er sich nach Hause abgemacht hatte. Mir faellt sicher noch mehr ein….. Und wirklich, er fehlt!

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