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Francisco Canaro ca. 1940, Public domain, geladen von Wiki Commons

Canaro en Paris

Bild von TodoTango

Liebe Tango-Freundinnen und -Freunde,

in Ergänzung zu unserem Canaro-Abend gibt es eine kleine Geschichte:

Francisco Canaro und seine Musiker reisten 1925 von Buenos Aires nach Paris. Das nahmen Alejandro Scarpino, Juan Caldarello und José Scarpino zum Anlass, ein Stück mit dem Titel „Canaro en Parìs“ zu schreiben.

Laut Wikipedia sind die Musiker in Gaucho-Kostümen im „Florida“ aufgetreten, das zum Apollo-Theater gehörte. Das „Florida“ eröffnete laut „Figaro“ am Samstag, 25. April. Mit einem großen Saal und aufregenden Präsentationen sowie Abendessen mit Tanz sollte dieser Ort ein neues Glanzlicht in Paris werden.

Der Auftritt wurde für Canaro und sein Orchester zu einem großen Erfolg, und sie konnten diesen weiter ausbauen. Am 1. August gaben sie bereits ihr Debut im eleganten Seebad Deauville….

LG Christa


Es gibt unzählige Einspielungen des „Canaro en Paris“. Bei Todotango habe ich bis 75 gezählt. Alle berühmten Namen sind dabei, auch alle Epochen bis heute. So könnte man alleine mit diesem Titel eine Tangogeschichte seit 1925 schreiben. „Canaro en Paris“ als Pars pro toto!


Unser Canaro-Abend hatte ein ähnliches Ziel, nämlich die Vielseitigkeit des berühmten Geigers und Orchesterchefs aufzuzeigen. Wenn es um Canaro geht, dann sind die Gemüter der Tangueros und Tangueras schon mal kritisch gestimmt. Ich habe öfter abwertend gehört, das sei ja „nur“ ein Canaro. Alleine in meiner nicht nennenswerten Sammlung habe ich aber mindestens 54 unterschiedliche Titel von ihm gefunden.

Das ist eine große Zahl, zumal ich ja nicht bewusst gesammelt habe. Ich habe danach versucht, Ordnungskriterien für die Stücke zu finden. Unser Protagonist war seit 1915 über mehr als 30 Jahre künstlerisch produktiv. Ok, man kann sich einfach das Schellackknistern als Marker des Alters der Aufnahme nehmen.

Denn erst in den mittleren 1940er Jahren begann der Siegeszug der heute noch hergestellten Vinyl-LP’s. Am Anfang wurden selbst bei LPs noch dicke Nadeln und 78 U/min benutzt, erst später dann elektrische Tonabnehmer mit Mikronadeln bei 33 1/3 U/min.

Durch Lektüre des Buches „Tango Stories“ von M. Lavocah war mir bekannt, das Canaro über die Jahre mindestens 13 Sängerinnen und Sänger beschäftigt hat. Somit kann man deren Namen als Ordnungskriterium verwenden. Aber sein Canaro-Kapitel hat mich insgesamt leider mehr verwirrt, als es mir eine klare Linie angeboten hat. Lavocah sucht das Besondere, das Experimentielle bei Canaro. Genauso wie die Top-Tangueros/-ras das ultimative Tangoerlebnis suchen. Und selten finden.

Deswegen möchte ich auf die umfangreiche Internet-Diskografie zu Canaro verweisen! Hier sind fast 3800 Einspielungen erwähnt, viele davon in mehreren Versionen. Etwa 900 Titel sollen von ihm selbst stammen. Also ein unglaublich Fleißiger war er, unser Protagonist. Niemand konnte und kann ihm auch nur näherungsweise das Wasser reichen, was Produktivität anbetrifft! Canaro in ein Musik-Schema zu pressen, das wird ihm sicher nicht gerecht.

Dass er wirtschaftlichen Erfolg suchte und auch bekam, sollte man ihm besser nicht zum Vorwurf machen. Niemand käme auf die Idee, Gerhard Richter, Andreas Gursky, Jörg Immendorf oder Tony Cragg deswegen zu kritisieren.


Ich habe dann einfach mal viele Stücke in meiner zufälligen Sammlung angehört, bewertet nach allgemeinem Stil, ob Vals, Milonga oder Tango und mehr. 20 Stücke kamen in meine Auswahl, viele sind bekannte Klassiker, zum Teil echte Ohrwürmer. Von mir mit „Schön“ bewertet.

An unserem Canaro-Abend konnte ich 12 davon spielen, immer zu 4er-Päckchen, mit Kommentaren versehen. Aspekte waren die Bedeutung des Gesanges, der Stellenwert der Art der Orchestrierung und die Präsentation des Rhythmus. Bemerkenswert waren auch die frühen, noch ungewöhnlich langsamen Milonga-Stücke oder gar seine romatischen Valses.


Die Vielseitigkeit zu zeigen, das ist uns gelungen. Es waren sehr unterschiedliche Stücke dabei, zum Teil auch schwer tanzbare. Klar wurde uns auch, dass damals jeder Tango-Musiker jeden anderen gecovert hat. Das obige Beispiel „Canaro en Paris“ zeigt das sehr eindrucksvoll.

Hier die Playlist des Abends: Canaro in Remscheid

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