Tango argentino

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Tango

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Berühmte Zitate

Tango ist nach Enrique Santos Discépolo ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann.

Bei W. Fleischauer, Drei Minuten mit der Wirklichkeit, ist Tango die Vorbereitung all dessen, was nie geschieht, und die Erinnerung an etwas, was niemals war.

Carlos Gavito sagte: „Das Geheimnis des Tangos liegt in diesem Moment der Improvisation, es passiert zwischen Schritt und Schritt. Es macht das Unmögliche möglich: Man tanzt Stille.“

Jorge Luis Borges schrieb „Der Tango macht mit uns, was er will, treibt uns herum und auseinander und dann wieder zusammen.“

Mundo Burgos meinte: „Tango ist die erlaubte Umarmung mit einer/m Unbekannten.“

Aspekte des Tango

Natürlich gibt es enorm viele Texte zum Tango argentino, über die Herkunft, das Milieu, die gesellschaftliche Not, die Ausbreitung des Tanzes über die ganze Welt, über die Tangomusik und deren Heroen wie Piazzola und Gardel. Das wollen wir nicht wiederholen.

Es geht mir darum, wie ich den Tango argentino erlebe! Tango ist für mich der Musik nachempfundene getanzte Sehnsucht, Leidenschaft und Spontanität. Diese Spontanität ist es, die neu ausgedachte Improvisation, die diesen Tanz vom Turniertango mit seinen typischen, ewig langen Folgen unterscheidet. So lernt man diesen Tanz beispielsweise in der Tanzschule. Hier Improvisation im Paar, ein aktives Wechselspiel, dort feste, bisweilen komplex choreographierte Figurenfolgen.

Die Milonga

Tango argentino dagegen kann im Rahmen einer Milonga beispielsweise mit unterschiedlichen PartnerInnen getanzt werden. Beim Turniertango würde man unter solchen Bedingungen nicht über Basics hinauskommen, da viel weniger spontan getanzt werden kann. Die klassische Milonga beginnt mit der Kontaktaufnahme über den Blick, dem Cabeceo. Es liegt also an beiden Partnern, den Kontakt herzustellen. Ein kurzes Gespräch gehört dazu. Man hat ja Zeit…

Tanda, Cortina, Tangomusik und mehr

Es folgt eine Tanda mit drei oder vier musikalisch ähnlichen Stücken, dann zur Abgrenzung zur nächsten Tanda eine Cortina, d. h. ein Fragment eines Titels, zu dem man keinen Tango tanzen würde. Bei den Tandas unterscheidet man zwischen typischem Tango (von mir gerne Tango Fantasie genannt), dann eine Tanda mit Vals („Kreolenwalzer“), dann käme z. B. eine Tanda mit Tango im Milongerostil (schnelle Füße, eng zu tanzen), danach könnte eine Tanda mit moderner, meist sehr rhythmischer Tangomusik folgen (Neotango, Elektrotango) folgen, und abschließend eine weitere mit Nontango-Musik (beispielsweise eigentlich Rumba, Fado oder Slowfox). Beinahe jede Musik mit einem Tempo zwischen 112 und 136 BPM ist für das Tangotanzen geeignet. Entscheidend ist die Betonung des Rhythmus, das erleichtert es jedenfalls.

Tango als tänzerische Improvisation im Paar

Dabei bleibt der Tanz im Paar oft verhalten, manchmal mit Pausen, die zu den Phrasierungen der Musik passen. Dann ist der Tanz sehr emotional, ja schon mal theatralisch, und immer sehr rhythmisch. Improvisation gehört unbedingt dazu. Gleichzeitig bestehen Nähe und Ferne im Paar, die Nähe ist für das wechselseitige Verständnis der jeweiligen Improvisationen erforderlich. Die gezeigte wechselnde Distanz ist aber auch nötig und tangotypisch. Und dann plötzlich kokette Schritte, später einfache Gehschritte, manchmal freche, ja eventuell frivole Einlagen, Hakeln mit den Beinen, Stops. Hebefiguren sind mehr bei Shows üblich. Mit reichlich Improvisation getanzter Tango argentino kann wie eine gruppendynamische Übung zu zweit aufgefasst werden. Einer/eine gibt vor, die/der andere ragiert, und das fortlaufend und im Wechsel.

Kulturschock Tango argentino

Genau das ist für manche Tänzer ein Kulturschock. War das doch vergleichsweise gradlinig in der Tanzschule! Jede Stunde wurde eine neue Figur gelehrt, und daraus ergab sich nach mehreren Jahren Tanzkurs eine Folge, die leicht über zwei bis drei Musikstücke reichte. Vorausgesetzt, beide Tänzer konnten sie sich merken.

Und dann Tango argentino! Unsere LehrerInnen zeigt vergleichsweise einfache Schritte als Basics, die dann mit Improvisationen zusammengefügt werden. Es werden keine langen choreographierten Folgen gelehrt. Noch dazu lernen wir, die Musik selbst zu vertanzen, mit Tempovariationen, Anpassung an die Variationen der Lautstärke. Melodische Abschnitte werden anders getanzt als rhythmische. Und wirklich zufrieden bin ich, wenn sich Musik und Tangoschritte zusammenfügen, und sich die Partner dabei ergänzen. Ein so schön getanzter Tango ist ein Erfolgserlebnis für beide Akteure. Klingt kompliziert. Ist es auch, zumindest am Anfang.

Musikbeispiele La cumparsita und El Choclo

Als schönes Beispiel frei verfügbar ist der „Tango aller Tangos“ La Cumparsita des Uruguayers Gerardo Mato Rodríguez aus dem Jahr 1917, da auch in Uruguay nach 70 Jahren das Urheberrecht erlischt.

Und hier der berühmte Tango von 1907, El Choclo von Ángel Villoldo (1861-1919), auch dieser Tango ist Public domain.

El choclo

Schorle 25 January 2008 / Public domain Upload bei Wiki Commons

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