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Ukraine: Der Krieg erreicht die dC.

danceComp 2022

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Tanzturnier trotz Krieg und Corona

Drei Jahre ist sie bereits her, die letzte danceComp in der historischen Stadthalle in Wuppertal. Das ist eines der großen Tanzturniere in Deutschland. Damals wie heute waren wir als Helfer dabei. Damals war ich als Aufpasser am VIP-Parkplatz und an der Einlasskontrolle eingesetzt. Diesmal als Ordner, also als milde „Security“ in Erd- und Untergeschoss. Wir haben in früheren Jahren auch mehrmals am Check-in geholfen.

Für die danceComp 2022 haben sich tatsächlich mehr als 1000 Paare angemeldet. Das sind zwar viel weniger als zuletzt, aber es ist immer noch eine organisatorische Leistung, der Veranstaltung einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen. Um Helfer zu gewinnen, hatte der TNW kurz vorher sogar einen Hilferuf ausgesandt. Und der hatte uns erreicht. Viele langjährige Helfer stehen nämlich aus mancherlei Gründen nicht mehr zur Verfügung.

Nach kurzer Überlegung war uns klar, dass wir wenigstens mal einen halben Tag mithelfen. Trotz Corona, aber mit FFP2-Masken. Warum macht man eigentlich so etwas? Nun, wir haben ja viele Jahre im Verein getanzt und mitgewirkt, teilweise sogar intensiv, zuletzt zu intensiv. Dennoch haben wir viele gute Erinnerungen gesammelt, Bekannte und sogar ein paar Freunde gewonnen. Das Tanzen ist sozusagen ein Teil unseres Lebens geworden.

Es gab vorher eine gut halbstündige Zoom-Einweisung in unseren Aufgabenbereich. Da wir die Location gut kennen, war das für uns völlig unproblematisch. Und schon geht es am 2.7. morgens los. Am Mitarbeiter-Check-in bekannte Gesichter. Hallo, ihr seid es, das ist ja schön. Freundliche Blicke mit den Offiziellen im Bereich. Eine Helferkarte mit Namen am Bande um den Hals, eine blaue Weste mit Ordner-Aufschrift an, und schon starten wir unsere Runde.

Wir gehen durch die Wandelhalle, schauen in den großen Saal, gehen weiter zum Offenbachsaal. Hier ist einer unserer Bekannten für die Musik zuständig. Hallo und so weiter. Wir gehen ins Untergeschoss und checken den Rossini-Saal, der als Garderobe dient. Der weitere Weg führt uns um das Gebäude. Dann treffen wir unsere erste Trainerin aus dem Sportverein. Auch hier ergibt sich ein schöner Austausch von Erinnerungen. Der Einsatz hier hat sich somit schon längst gelohnt für uns.

Im großen Saal gehen wir an den Außengängen entlang. Überall sind die unglaublich stark gestylten und overdressten TänzerInnen zu sehen. Die Frauen sind oft extrem aufwendig frisiert. Sie tragen auch jede Menge auffälligen Schmuck. Da TänzerInnen auf jeden Fall auffallen wollen in der Masse, ist das Make-up manchmal ziemlich schlimm. Mit natürlicher Schönheit hat das dann gar nichts zu tun.

Die Kleider sind meist auf Auffälligkeit gestylt. Dazu gehören knallige Farben, komplizierte Elemente am Saum, an den Armen findet man Bänder und wehende Stoffe, ja sogar pelzige Puschel, im schlimmsten Falle baumelnd. Den Vogel schießt eine Dame im rosa Mega-Dress ab. Dieser weist unter einem weiten geschlitzten Kleid zu allem Überfluss auch noch eine rosa Hose mit Pelzimitat-Besatz auf. Dazu jede Menge plüschige Teile an den Armen. Alles in allem, einfach ziemlich schlimm anzusehen. Aber auffällig.

Hier ein Link zur Fotostrecke der WZ.

Man muss diese Art, sich zu kleiden, schon irgendwie mögen. Aus der Zeit gefallen ist sie allemal, auch nicht genderkonform. Nur ganz wenige Frauen tanzen hier in einem Hosenanzug oder verzichten gar auf künstliche Frisuren. Double Role-Tanzen ist hier jedenfalls unbekannt, anders als in der Tangoszene.

Erstaunlich ist für mich, dass der Tanzsport in den Ländern des ehemaligen Ostblocks so populär werden konnte und noch ist. Wegen des Krieges in der Ukraine und den Sanktionen sind die Tänzer aus Russland diesmal nicht dabei. Diese dominieren die Tanzszene normalerweise. Wenn man allerdings die Meldelisten durchschaut, findet man dennoch erstaunlich viele russische Namen, allerdings unter anderen Nationen gemeldet.

Die deutlich geringeren Meldezahlen sind somit vermutlich zu einem bedeutenden Teil auf die fehlende Präsenz russischer TänzerInnen zurückzuführen. Bei einer Siegerehrung hat dann der russische Krieg auch das Tanzparkett erreicht. Ich zeige hier (der TNW möge mir verzeihen) ein Handyfoto der Siegerehrung der Gruppe WDSF Open Jun. II Standard. Das ist die Altersgruppe bis 15 Jahre. Es handelt sich also um Jugendliche, die schon so perfekt tanzen können.

Ein Paar aus Litauen und zwei Paare aus der Ukraine stehen auf dem Siegerpodest. Die Herren der ukrainischen Paare tragen die Landesfahne. Es wird dazu die Nationalhymne Litauens gespielt. Wir stehen dazu auf. Ein gewisses Schaudern überfällt mich.

Ukraine: Der Krieg erreicht die dC.

Nach dem Ende unserer Aufgabe schauen wir uns noch für drei Stunden die Turniere im großen Saal an. Es ist einfach schön, bei dem ziemlich perfekten Tanzen zuzuschauen, Besonderheiten zu entdecken und neue Figurenmuster zu erkennen.

Wegen Corona verlassen wir gegen 16 Uhr den großen Saal der danceComp 2022. Am Abend schauen wir noch zusammen den Livestream auf dem TV, der auch einen guten Eindruck liefert. Ein schöner Tag war es, mit vielen angenehmen Erinnerungen.

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