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Imagination

Virtueller Blick ins Innere!

Corona bringt immer neue Spielarten von Techniken virtueller Kommunikation zustande. Nach virtuellen Meetings mit der Familie und etlichen virtuellen Milongas fand gestern erstmals für uns eine virtuelle Imagination statt. Das muss man sich wie autogenes Training light vorstellen. Sprich kürzer, weniger tief, weniger persönlich, weniger Interaktion. Ein Versuch ist es bestimmt wert!

Toni als erfahrener Spezialist hatte eingeladen, und fünf Personen haben sich getraut. Man weiß ja nie! Wenn man sich seinem Unterbewusstsein aussetzt, was dann so passiert! Nach längeren Versuchen war die Zoom-Verbindung stabil. Anfangs und leider auch zuletzt war für uns ein fürchterliches Echo zu hören. Regel: Mikro aus für alle, außer Moderator.

Wie ein beruhigender Hypnotiseur sprach nun Toni. Ich blicke auftragsgemäß geradeaus auf das von Horst gemalte Aquarell von Atzbach vis-a-vis von mir. Das ist mein Geburtsort. Der Kirchturm ragt da markant auf. Da ich mich gerade mit der Orgel beschäftigt hatte, war es für mich ein Leichtes, auch mit geschlossenen Augen den Innenraum zu sehen, lichtdurchflutet, die Orgel quasi zu hören.

Ach, da ist ja der Trompetenengel an der Orgel, der Chor steht auf der Empore. Hans-Martin hat sich davor aufgebaut, mit Stimmgabel. Und dann der Einsatz, Achtung liebe Sängerinnen und Sänger! Nun ein Blick nach unten, hinten das Presbyterhäuschen. Ich meine, sogar den Presbyter Eugen gesehen zu haben. Nun ein Schwenk des Blickes durch die Kirche. Pfarrer Dütge ist auch zu sehen. Oh Mist, ich habe ja in der Kirche geheiratet. Schnell an etwas anderes denken.

Toni redet weiter, wir sollen uns eine schöne Landschaft vorstellen. Gesagt, getan. Ich merke aber, wie ich zwischendurch beinahe einschlafe. Wir hatten vor ein paar Tagen 4 Filme zu den Jahreszeiten gesehen: „Das verborgene Leben der Bauernhoftiere“. Eine etwas surreal harmonische Situation auf einem extrem hochwertigen englischen Bauerhof. Die Tiere haben hier eine Art individuelles Eigenleben, das uns nahegebracht wird.

Alles ist super einheitlich koloriert und ordentlich, die Wiesen und Hügel sind hellgrün, echt schön und entspannend. Kein Wölkchen trübt den Blick. Hellblauer Himmel. Ich sehe das wie real vor mir.

Da fällt mir plötzlich ein, dass die Anmutung dieser Filme der Serie „Shaun the Sheep“ entspricht. Das sind die wunderbaren Kurzfilme um Shaun mit idealem Ambiente. Knetfiguren entfalten hier ein spannendes, aber letztlich harmonisches Eigenleben. Worte fallen dabei gar keine. Wir konnten früher mehrere Folgen davon direkt vor dem Einschlafen schauen und dennoch oder deswegen gut einschlafen. Bis die Serien aus Amazon prime genommen wurden. Habe mein Abo danach rasch gekündigt.

Nun muss ich aber doch zunächst noch mit geschlossenen Augen lächeln. Wusch – die Imagination ist somit für mich vorbei. Ich werfe noch kurz einen Blick auf die Mitstreiter. Die Übungen zur Rückkehr kommen für mich etwas zu spät, da ich bereits wieder da bin. Boci bellt auch schon kurz, sie will raus.

Es war aber gut für mich, ich konnte kurz tief abtauchen und über eine harmonische Situation zurückkommen. Was will man mehr!

Danach entspann sich noch ein längeres Gespräch, allerdings kam ich dabei nicht so gut zum Zuge. Was soll’s. Im Prinzip hätte ich über meinen Blog sprechen können. Denn der ist meine Hauptaktivität seit dem Ruhestand. Und damit in der bisherigen Coronazeit.

Wenn man sich beim Blogschreiben auf bestimmte Situationen einlässt, tritt leicht auch eine Art „Imagination“ auf. Frühere Erfahrungen und Erlebnisse kommen in der Erinnerung zurück und werden wieder präsent. Aber es fehlt manchmal der beruhigende Moderator.

Danke, lieber Toni!

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Antonius

    Danke Dir auch, lieber Albrecht für die sehr anschauliche Schilderung deiner Imaginationserlebnisse am Freitag.
    Du schilderst eine sehr interessante und schöne, wir nennen das „Regressionstrance“ mit erstaunlichem hypermnestischen Einzelheiten.
    Interessant ist für mich auch, dass Du bei der Kreation Deiner Blogs imaginative Kräfte erkennst, was mir sofort einleuchtet.
    Vielleicht kannst Du die neuen Erfahrungen mit der Hypermnesie in der Trace für deine zukünftigen Blogs gelegentlich nutzbar machen.
    Überhaupt habe ich den Ehrgeiz, dass ihr schließlich die Imagination selbstständig und ohne meine Führung herbeizuführen könnt.

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