Seit einer Woche geht das schon so. Ständig neue Berichte der Lokalzeitungen, das Sana-Klinikum Remscheid steht im Fokus der Medien. Der Hauptredakteur des RGA meint, die Beschäftigten wegen der schlechten Presse bedauern zu müssen. Dabei ist das nun wirklich nichts Neues, das hat in Remscheid so schon seit Jahrzehnten Tradition. Allerdings bleiben die aktuellen Berichte unpräzise, unscharf, ja rätselhaft. Ein ärztlicher Mitarbeiter habe sich gemäß der internen Compliance-Regeln womöglich nicht korrekt verhalten. Im RGA steht etwas von Abrechnungsbetrug. Aber wie bitte soll denn ein ärztlicher Mitarbeiter Abrechnungen fälschen? Die werden doch immer vom Klinikum selbst erstellt!
Oder es ist die Rede von nicht selbst erbrachten Leistungen eines Chefarztes. Himmel nochmal, seit wann erbringen denn Chefärzte regelhaft Leistungen bei Privatpatienten selbst? Das wäre mir völlig neu. Die mir noch bekannte offizielle Lesart mit den Chefärzten finde ich skurril, da Selbstzahler der Leistungserbringung durch benannte ärztliche Vertreter ohnehin generell zustimmen müssen. Und das sind schnell alle Oberärzte. Das soll der RGA etwa nicht wissen? Kaum zu glauben.
Vor einer Woche war Webseite der Hauptabteilung Kardiologie des Sana-Klikums Remscheid nicht verfügbar. Aktuell sei laut Internetpräsenz Dr. Schnickmann kommissarischer Leiter der Abteilung. Hans Wilhelm Esser habe gekündigt, einen Grund will er dem RGA nicht nennen. Er ist als Doc Esser ja ein Medienstar des WDR. Prof. Dr. Sievers wird nicht mehr als ärztlicher Mitarbeiter des Sana-Klinikums aufgeführt. Laut Internet-Suche betreiben beide zusammen schon länger kardiologische Praxen in Meerbusch und Wermelskirchen. Es bestehe eine Kooperation mit einer MRT-Praxis in Düsseldorf.
Somit bleibt genügend Raum für Spekulationen, was da wohl schiefgelaufen sei. Es muss wohl krass gewesen sein. Ohne schwerwiegende Gründe eine cash cow aufgeben, das hätte Sana niemals gemacht.
Natürlich bin ich hier nicht neutral, denn ich war immerhin 35 Jahre bei Sana-Klikum Remscheid – in verschiedenen Rechtsformen – tätig. Dort musste ich mich auch gegen Übergriffe des Arbeitgebers zweimal vor Gericht verteidigen. Bei meinem Ausscheiden aus Altersgründen (fast 69 Jahre alt) und durch Corona gab es Null Wertschätzung für die vielen Jahre Solidarität und Identifikation. Sana steht mehr auf Versprechen von hohen Erträgen als auf solider Arbeit. Ich habe mich hierzu früher schon unter Werthaltige Krankheiten und Arzt: Ruhestand nach 43 Jahren geäußert.
Wenn heute die von einer Kostenexplosion im Gesundheitswesen die Rede ist, dann spielt natürlich die Erwartungshaltung der Patienten eine Rolle. Der andere Aspekt ist, dass durch Privatisierung und Verpflichtung zu hohen Erträgen nicht immer der Patientennutzen, sondern häufig wirtschaftliche Aspekte eine Rolle spielen. Wer regelmäßig beim Geschäftsführer sitzt und Erträge versprechen muss, der steht unter Druck. Er wird eventuell unethische und damit unärztliche Dinge tun. Auch sammeln sich hier Führungskräfte mit besonderen Persönlichkeiten.
Es ist somit kein Wunder, dass das Sana-Klinikum Remscheid wieder einmal im Fokus der Medien steht. Wie lange wird es dauern, bis der Vorgang öffentlich aufgeklärt ist? Ob überhaupt, das ist für mich die Frage.
