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Mein Kinderzimmer

Basteln als Prinzip

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Das Beitragsbild aus meinem Kinderzimmer zeigt das reine Chaos. Es dominiert der alte Fernseher der ersten Stunde. Der stammte von Wellers und hatte nur noch ein ganz blasses Bild. Damit er überhaupt etwas zeigen konnte, habe ich damals systematisch die Kondensatoren gecheckt, sprich den Innenwiderstand gemessen, und falls defekt, ausgetauscht. Meine Wunderwaffen waren ein Multifunktionsmessgerät und der Lötkolben. Das Fernsehgerät war schließlich das Markenzeichen meines Kinderzimmers. Dem Oldie-TV sollte noch ein weiteres Gerät folgen, nach Reparatur versteht sich, es kam sogar ein Zusatz zum Empfang des Zweiten Programmes hinzu. Zu der damaligen Zeit war es etwas Besonderes.

Der Tisch selbst ist ein durchgebogener Holztisch mit Holzwurm. Er stammte aus dem Elternhaus meiner Mutter. Das hatte den Vorteil, dass man den nicht mehr beschädigen konnte. Bohrmaschine, Lötzinn, Batteriesäure und andere Chemikalien konnten ihm einfach nichts anhaben. Was will man mehr!

Hinter dem Fernseher steht ein 6 V-Akku, der bestimmt von einem VW-Käfer stammt. Damit hatte man beim Basteln genügend starken Strom zur Verfügung. Damit ließen sich vortrefflich Kurzschlüsse simulieren. Die Belastbarkeit sämtlicher Drähte konnte ich damit bequem austesten. Also eine gewisse Feuergefahr war schon vorhanden.

Link des Fernsehers ist ein geöffnetes Radio zu sehen, ein Dachbodenfund. Es handelte sich um einen Vielband-Empfänger. Sein UKW-Teil war nach dem Reflexprinzip aufgebaut, was damals neu war, aber eigentlich elektronische Umweltverschmutzung darstellte. Mäuse hatten die textil-umwickelten Spulendrähte abgefressen, sie mussten erneuert werden. Die Kondensatoren waren auch defekt, also genügend zu tun für den Bastler.

Wenn das Auge weiter schweift, sind diverse elektronische Gerätschaften mit Gehäusen aus Sperrholz zu sehen. Ich hatte eine Reihe von selbstgebauten Radioempfängern mit unterschiedlicher Technologie, Reflexempfänger waren dabei. Ich habe die in einer Jugendgruppe bauen lassen. Daneben habe ich damals gerne UKW-Sender gebaut, in möglichst einfacher Technologie, aber wirkungsvoll, mit guter Klangqualität. Es war die Zeit, als Transistoren noch relativ neu, der letzte Schrei aber waren integrierte Schaltkreise. Und die ermöglichten schließlich kompakte Schaltungen.

Unter dem Tisch sieht man hinten die Strickmaschine meiner Mutter, Knittax hieß die Marke.

Davor ist irgendein Gewühl im Karton erkennbar. Rechts an der Wand befindet sich ein selbstgebautes Hängeregal aus Wilhelmi-Platten, die Seile sind aus Makramee-Garn. Im Regal sieht man weitere selbstgebaute elektrische Gegenstände.

Vielleicht finde ich noch solche Geräte in meinem Fundus im Keller!

Und trotz eines derartigen Kinderzimmers habe ich schließlich Medizin studiert! Oder deswegen?

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Albrecht Lang

    Ganz glücklich wäre ich, noch in Erfahrung zu bringen, welchen Film wir nach der Blasstunde immer sehen mussten! Auch unser Papa! Hahaha!

  2. Ingrid Ho

    Ja, warum du Medizin studieren wolltest, war uns allen völlig unverständlich.
    Leider sieht man auf dem Bild die an die Wand genagelte Antenne der Fernsehers nicht.

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