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Son Clave 2-3 from Wikimedia Commons jobu0101 / Copyrighted free use

Chan Chan

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Son cubano im Blut!

Vor einer Woche waren wir mit Freunden zu Besuch in Köln. Im Künstleratelier ging es nach allgemeinem Staunen über Ambiente und Kunstwerke zunächst um Salsa, gerne im Cuban Style, wir eher im New York Style, also schön auf der Linie und wenig Body move. Bloß nicht schaukeln! Wir konnten die komplizierte wie auch die einfache Presentation-Variante gut erinnern, natürlich auch She goes-He goes. Immer schön daran denken, nicht in Discofox zu verfallen! Wie immer hatten wir etwas Schwierigkeiten mit dem Rhythmus bei echter Salsa-Musik, die leider etwas zu leise war – You can’t dance to music You don’t hear.

Da bei typischer Salsamusik die Betonung der 1 und der 5 häufig akustisch nicht so eindeutig ist wie bei unserer normalen Tanzmusik, müssen andere Methoden her. Für mich hat es sich bewährt, einfach zuzuhören und den zugrunde liegenden Rhythmus stetig einzufühlen, vielleicht gleichzeitig mit Körperbewegung, auch auf den Gesang zu achten. Und spätestens nach einer 8-er-Gruppe ist es so weit: Ich spüre ihn, den Takt.

Und dann hören wir Chan Chan von der Platte Buena Vista Social Club! Mann-oh-Mann! Ist das etwa wie bei Take Five? Oder vielleicht sogar ein Walzer? Oder wechselt der Rhythmus ständig? Im Nachspann des Filmes allerdings, da spielt die Percussion der Band über Minuten einen pendelnden Grundrhythmus. Die Notation ist mir allerdings danach immer noch nicht klar. Im Netz habe ich später einen simplen Klaviersatz im 4/4-Takt gefunden.* Also doch! Aber der hat es in sich. Synkopen, Off-Beat, On-Beat, Auftakt, all das wechselt ständig, dazu auch schön regelmäßige Abschnitte! Also meine Welt ist wieder in Ordnung. Aber das vom Blatt im korrekten pendelndem Rhythmus abzuspielen, das ist für mich nicht die richtige Methode für „Son cubano“. Den muss man – so glaube ich – im Blut haben, um ihn authentisch zu performen.

Dann gibt es lecker Essen, sehr schön. Somit sind wir aufnahmebereit.

Anschließend sehen wir den Film zur Platte. Eindrucksvolle pittoreske Bilder, tolle und entspannte Musik, alte Männer erzählen ihre Geschichten zu ihrem persönlichen Instrument. Ibrahim Ferrer steht ziemlich im Mittelpunkt, mit seiner heiseren und etwas knödelnden Stimme. Sehr authentisch! Definitiv kein Mainstream-Pop. Ich glaube, Wim Wenders hat wirklich gute Arbeit geliefert. Eine Hommage an die alten Musiker, ihre Armut, ihre Geduld, ihre Art zu leben trotz widriger Bedingungen. Wir sind ganz beeindruckt nach dem Film. Es entspannt sich noch eine lange Diskussion auch über andere Themen bis weit nach Mitternacht. Ein angenehmer Abend war das!

*Wer den Klaviersatz zu Chan Chan haben möchte, möge mich anmailen!

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