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Schöne Narzissen, oder?

Ostern paradox

Ist der Pazifismus überholt?

Es ist Ostern, genauer Ostersonntag 2022. Die Sonne scheint schon früh am Morgen, der Himmel ist perfekt blau und wolkenlos. Aber es sind erst vier Grad. Tau bedeckt die Wiese. Gleich wird es im Haus schon zu warm sein, obwohl die Heizung auf Nachtabsenkung eingestellt ist. Über WhatsApp und Signal herrscht schon ein wildes Tröten, schöne Ostern und so. Videos und nette Bilder werden hin und her geschickt. Business as usual? Oder nur paradox?

In den von mir flüchtig gelesenen Medien (es handelt sich hier meist um die Online-Versionen von Zeit, Spiegel,taz, Tagesschau und DW, aber manchmal auch ukraine-nachrichten.de) herrscht ein Chaos ohnegleichen. Habeck ist aktuell in Deutschland offensichtlich der vehementeste Fürsprecher der Lieferung von schweren Waffen an die Ukraine, Baerbock liegt nur knapp dahinter. Die Hamburger Bischöfin Fehrs sagt, dass Waffenlieferung das kleinere Übel sein könnten! Mützenich allerdings hält die Lieferungen schwerer Waffen für zu gefährlich.

Dann sieht man wieder schreckliche Bilder von Gräueltaten russischer oder tschetschenischer Soldaten. Verbrannte Erde, viele Tote gerade auch der Zivilbevölkerung werden gezeigt. Habeck im O-Ton „Pazifismus ist zurzeit ein ferner Traum!“ Bei den Ostermärschen finden sich traditionell ganz verschiedene Richtungen. Es gibt allerdings Leute, die sich gegen die Ukraine stellen, auch Fürsprecher von Putins Angriffskrieg. Daneben natürlich auch die fundamentalen Pazifisten. Also besteht eine große Vielfalt der pazifistischen Strömungen.

Wenn ich den Äußerungen Habecks weiter folge, dann sind die Pazifisten demnächst vielleicht die Verursacher der Kriege. Oder was bedeutet der Satz anders, dass Zuschauen die größere Schuld sei? Wo bleibt die Kontinuität der Grünen? Immerhin gehört die Friedensbewegung unverrückbar zu ihren Wurzeln.

Wolfgang Thierse hat sich gestern auch geäußert: „Pazifismus auf Kosten anderer ist zynisch!“ Er hält die Gewaltfreiheit für eine persönliche Entscheidung, nicht mehr oder weniger. Ich finde, in dem Beitrag wird die Problematik gut herausgearbeitet. Die traditionellen Parolen der Ostermärsche den Menschen der Ukraine zuzurufen, ist in der Tat nicht hilfreich. Die Ukraine habe ein Recht auf Selbstverteidigung.

Die Zögerlichkeit von Scholz trotz lauter Rufe nach schweren Waffen sei gerechtfertigt. Das kritisch zu hinterfragen, sei sinnvoll. (Inzwischen hat sich die Bundesregierung schon bewegt.) Der Westen trage auch nicht Schuld an Putins Aggression.

Das Bibelwort Schwerter zu Pflugscharen sei zwar eine Utopie, verlange nach eigener Stärke. Denn nur dem Mächtigen werde zugehört, gerade auch bei den kommenden Friedensverhandlungen. Das sei die Übersetzung der christlichen Friedensethik in praktische Politik, so sagt der engagierte Katholik.


Werden nun die fundiertesten Pazifisten zu den entschlossensten Militaristen? Mir bleibt da ein mulmiges Gefühl im Bauch. Vielleicht muss das auch so sein, denn Gewalt kann auf die Dauer keinen Frieden bringen. Ich glaube nicht, dass diese Grundhaltung der Friedensbewegung inzwischen überholt ist, wie einige schon lautstark verkünden. Hier meine Blog-Einträge zum Pazifismus.

In einer Woche ist der entscheidende Wahlgang der Präsidentenwahl in Frankreich. Die Rechtsaußen Le Pen wurde von Putin finanziert, ist EU- und NATO-feindlich, möchte die Situation zu Russland normalisieren. Die militärische Zusammenarbeit mit Deutschland will sie beenden. Wenn sie gewählt würde, stünde eine weitere Zeitenwende an.

TUI, Tangofuego und Maxtanzt wollen uns ständig in Urlaub schicken. Aber irgendwie kommt bei uns noch keine Freude dazu auf. Meine sämtlichen Nachbarn hier in Lennep sind nicht verreist. Man sieht dennoch am wolkenlosen Himmel die Kondensstreifen. Mitten in der Nacht hört man manchmal dunkler klingende Flugzeuge. Die liefern wohl die Waffen für die Ukraine.

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