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Semaglutide in der kardiovaskulären Sekundärprävention

Novo Nordisk wertvollstes europäisches Unternehmen

Der dänische Pharmariese ist das wertvollste europäische Unternehmen. So ähnlich titelt gestern Wallstreet online. Mit über 300 Milliarden Dollar liegt es aktuell vor LVMH, dem französischen Luxuskonzern, auch vor Nestlé. Grund dafür ist beispielsweise eine am 11.11.2023 in NEJM publizierte Studie. Es geht in dieser vom Hersteller finanzierten Langzeit-Studie über drei Jahre Follow-up bei 17604 Patienten um den Einsatz von Semaglutide in der kardiovaskulären Sekundärprävention bei Übergewichtigen und Adipösen, ohne Diabetes mellitus, mit einem Alter ab 45 Jahren. Der GLP-1-Rezeptor-Agonist Semaglutide war bisher zur in der Diabetesbehandlung und zur Gewichtsreduktion zugelassen, was auch schon ein enormes Marktpotenzial darstellt.

SELECT-Studie

Die Klientel dieser SELECT-Studie stellt somit eine Hochrisikogruppe dar, mit durchgemachten kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. In der Verumgruppe erhielten die Probanden wöchentlich 2,4 mg Semaglutide injiziert. Im Follow-up war das Auftreten eines kardiovaskulären Ereignisses mit 6,5 % deutlich seltener als 8 % in der Kontrollgruppe. In der Zusammenfassung steht, dass Semaglutide die Rate von Todesfällen aus kardiovaskulärer Ursache, die Rate von nicht tödlichen Myokardinfarkten und von Schlaganfällen gegen Plazebo signifikant senken soll.

Die Risikoreduktion für obige Ereignisse liegt bei etwa 20 %. Damit ist Semaglutide ein Kandidat für Leitlinienempfehlungen in dieser Patientengruppe, die üblicherweise Thrombozytenhemmer, Statine, ACE-Hemmer und Betablocker umfassen. Damit sei nun erstmals bewiesen, dass die in der Studie erreichte Gewichtsreduktion von 9,4 % den kardiovaskulären Outcome verbessert. So die News im Deutschen Ärzteblatt online.

Erinnert sei daran, dass die Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse in einer allerdings erweiterten Zielgruppe sonst nur noch für Metformin und SGLT2-Inhibitoren zusätzlich gesichert ist. Natürlich gibt es weitere medikamentöse Kandidaten.

Was sagt Eric Topol?

Eric Topol, der bekannte Arzt und Publizist weist in seiner Rezension unter „not so good findings“ auf den vergleichsweise geringen Nutzen von 1,5 % bezogen auf die Ereignisse der Gesamtgruppe hin. Und das bei 3 Jahren Therapiedauer, die NNT von 66 sei nicht gerade ein toller Erfolg. Auch seien die Gesamtkosten mit etwa 48.500 USD viel zu hoch. Und überhaupt, es fehle eine Exit-Strategie der Behandlung. Bei einer Langzeit-Anwendung von Semaglutide seien schließlich eine Reduktion der Muskelmasse und der Knochendichte zu erwarten. Nichts sei bisher für die Primärprevention mit Semaglutide in der Zielgruppe der Übergewichtigen bekannt.

In Deutschland

In Deutschland kosten wöchentlich 2,4 mg Semaglutide als Wegovy um die 1200 Euro pro Monat. Wir werden sehen, wie lange es bis zur Zulassung von Semaglutide in der kardiovaskulären Sekundärprävention dauert, und wie die Einschränkungen lauten werden.

Ähnlich wie in der Behandlung von Krebserkrankungen und bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen gelangen nun auch bei dieser Erkrankungsgruppe zunehmend teure Dauertherapien in die Anwendung. Kein Wunder, dass sich die Unternehmen auf solche Medikamente konzentrieren.

Tirzepatide (Mounjaro) als Twincretin hat auch schon eine EU-Zulassung für Diabetes mellitus und demnächst auch für Adipositas in der EU, wie schon jetzt in den USA. Hersteller Eli Lilly ist das größte Pharmaunternehmen der Welt. Er möchte in Alzey in Rheinland-Pfalz für 2,3 Milliarden Euro eine Fabrik für die Herstellung der Abnehmspritze bauen lassen. Offensichtlich erwartet Lilly einen Boom.

Awareness-Werbung für Medikamente

Im TV wird heute offen Awareness-Werbung für neue Medikamente zur Behandlung der kardialen Wildtyp-ATTR-Amyloidose gemacht: Opa kriegt beim Treppensteigen keine Luft. Könnte es nicht eine Amyloidose sein? Es geht hier beispielsweise um Tafamidis, Jahrestherapiekosten um 150.000 Euro.

Preisgünstige Mittel für die ärztliche Routineversorgung und die Primärprävention sind für Pharmaunternehmen zunehmend uninteressant. Sie werden kaum noch beforscht, sind oft nicht vorrätig. Die Medien laden die Verantwortung dafür gerne bei der Politik ab. Ich finde das eine impertinente Haltet-den-Dieb-Strategie.

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