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Porquerolles panorama Gasti from France CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons

„Landkrank“ als passende Lektüre zu Urlaub und Klimakrise

Dazu genau passend habe ich auf Empfehlung von Benjamin „Landkrank“ von Nikolaj Schultz gelesen. Ich gebe zu, das Büchlein ist etwas schmerzhaft beim Lesen. Der Schreibstil ist manchmal holprig, wie dreimal übersetzt. Man fragt sich auch oft, ob der Autor vielleicht einfach nur an einer Depression leidet. Er beschreibt zunächst seine Situation in einer viel zu heißen Wohnung im hochsommerlichen Paris, seine Skrupel, da alles was er hier tut, an einer anderen Stelle auf der Erde Schaden anrichtet.

Er beschließt, auf die wunderschöne, aber leider auch schon völlig überlaufene Insel Porquerolles südlich von Hyeres zu fliehen. Mit der Bahn nach Hyeres, dann die Überfahrt mit dem Segelboot eines Bekannten, also stilecht. Auf der kleinen Insel erlebt er, wie die 200–300 Dauerbewohner von den 10.000 Tagestouristen total gestresst sind, wobei diese ihre Lebensgrundlage und gleichzeitig Grund für die zunehmende Zerstörung der besonderen Insel sind. Nach einer gewissen Zeit kehrt er zurück nach Paris.

Das Vorwort mit einem realitätsnahen Beispiel einer gescheiterten Umweltaktion in Afrika ist von Luisa Neubauer verfasst, der man keine Depression unterstellen möchte. Ihr Wikipediaprofil ist wirklich lesenswert, beeindruckend. Auch ein mehr philosophisches Nachwort gibt es zu lesen, und eine fast wissenschaftliche Literatursammlung mit bemerkenswerten Quellenzitaten. Das Prinzip bleibt immer das Gleiche: Du kannst nichts tun, ohne dass einem anderen Menschen in irgendeiner Weise Schaden zugefügt wird. Die Klimakrise schreitet fort.

Bei der Lektüre schmerzt besonders, dass keine Lösungsansätze angeboten werden, der allgemeine Weltschmerz dominiert. Der Autor nennt sein Befinden „Landkrank“. Das war mir beim Überlesen haften geblieben. Dabei habe ich eigene Erinnerungen an einen Urlaub mit Besuch auf der wunderbaren Insels Porquerolles. Wir haben damals die letzte Fähre wegen Zeitumstellung verpasst und mussten mit dem Watertaxi zurückfahren.

„Landkrank“ von Nikolaj Schultz als passende Lektüre zu Urlaub und Klimakrise. Kein einfacher Stoff. In Wikipedia wird es unter Wikipedia Porquerolles nicht ganz korrekt als Reiseerzählung bezeichnet, Reisekritik wäre richtiger gewesen.

Auch passend zum Thema waren wir am Samstag bei der Veranstaltung Philosophie für alle zu den Pflichten gegenüber sich selbst. Ich habe zum Thema beigesteuert, dass es doch wohl fraglich sein, ob das Kümmern um sich selbst die Pflichten gegenüber den anderen praktisch aushebelt. Dann würde ja der Hedonismus zu allem berechtigen. Wir merken, wir sind bei der Verantwortungsethik, im Prinzip bei Kant.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Ingrid H.

    Ganz ohne (ökologischen) Fußabdruck kommen wir nicht aus, wir sind halt Menschen, keine Engel. Wirklich klimaneutral gibt es nicht. Es werden einfach andere dafür bezahlt, das zu tun oder zu lassen, was wir nicht können oder nicht wollen. Ablasshandel sozusagen. Ehrlich sein wäre schon mal ein erster Schritt.

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