Versteht mich hier nicht falsch. Aber irgendwie ist mir bei dem Thema unwohl. Wir sind 2019 zuletzt mit dem Flugzeug in den Urlaub geflogen. Das ist, wie wir heute wissen, die maximal umweltschädliche Version des Reisens, allenfalls getoppt von Kreuzfahrten mit älteren Schiffen, wegen deren Betrieb mit Schweröl. Wir versuchen seitdem, Urlaube in der Nähe zu erleben.
Viele unserer Bekannten reisen allerdings wie selbstverständlich immer noch in den Urlaub, nach Mallorca, auf die Kanaren, in die Türkei, nach Ägypten, in die USA, und wer weiß wohin. Aber auch lange Autofahrten in Europa sind immer noch in. Durch den Stau meist, und der Urlaub ist dann wirklich bitter nötig. Der Konflikt Urlaub und Klimakrise, wie geht man vernünftig damit um? Als Spaßverderber möchte wohl niemand dastehen.
Dabei steht der menschengemachte Klimawandel, die eigentliche Klimakrise, heute wieder viel stärker unter Beschuss. Die Rechten mit ihrer Fossillobby relativieren ihn gerne, versuchen, ihn recht erfolgreich als Spinnerei von Klima-Alarmisten zu abzutun. Die sogenannte „Letzte Generation“ ist nun kriminalisiert, nicht jedoch der ungebremste Verbrauch von fossilen Brennstoffen. Reiche möchte Erdgas den Erneuerbaren Energien vorziehen. Wärmepumpen wurden oft als schwachsinnig hingestellt, jedenfalls werden sie diskreditiert, Windkraftanlagen werden von der AfD als „Windmühlen der Schande“ tituliert.
Gleichzeitig kostet der Diesel, durch den irrsinnigen Irankrieg mitbedingt, aktuell 2 Euro 40. Das soll kein Grund für eine großzügige Förderung der Erneuerbaren sein? Von der Kernfusion als ungefährlicher und unerschöpflicher Energiequelle wird großartig gefaselt, auch von den SMR, die angeblich so günstig seien. Dabei gibt es beide Techniken in anwendbarer Form bisher gar nicht. Und weiter, welcher Deutsche möchte denn nebenan solche Dinger stehen haben? Vielleicht Uran bei den Despoten dieser Welt kaufen?

Glen Fergus, CC BY-SA 3.0
via Wikimedia Commons
Dabei ist die Sache mit dem menschengemachten Klimawandel ohne Zweifel gesichert. Schaut Euch doch die Langzeit-Grafiken der globalen Temperaturen an, denn die gibt es bis 550 Millionen Jahre zurück. Die letzten 800.000 Jahre reichen aber auch schon. Denn „Menschen“ gibt es erst seit ca. 70.000 Jahren. Nachdem mehr als 10.000 Jahre zuletzt ähnliche Temperaturen vorgelegen hatten, gibt es seit Beginn der industriellen Revolution einen Temperaturknick nach oben um 1,5 Grad, begleitet von einem Anstieg des CO₂ in der Atmosphäre von 280 auf aktuell 421 ppm CO₂.
In meinem Geburtsjahr 1951 lag der Wert noch bei 311 ppm CO₂. Der Knick der Temperaturkurve und der Anstieg des CO₂ passen exakt übereinander. Eine sonstige Erklärung für den Temperaturanstieg liegt uns nicht vor, wie Vulkanausbrüche, ein großer Meteoriteneinschlag, gigantische Brände oder gar Sonnenaktivitäten.
Auch nehmen wir schon länger direkte Zeichen der Erderwärmung war, wie das weitgehende Schmelzen der Alpengletscher, des Polareises zur Hälfte, einen Anstieg des Meeresspiegels und vermehrte Hitzetage. Der Rhein, die Elbe und die Donau wirken abschnittsweise wie surreal, da kaum noch schiffbar, Waldbrände in Deutschland nehmen zu. Mich überzeugen die globalen und objektiven Klimadaten aber mehr. Denn wir Menschen haben keine Sensorik für „Klima“, sondern nur für „Wetter“. Das ist schon ein Unterschied.
Was machen wir mit dem Urlaub denn jetzt? Der Deutsche vollstreckt seinen Urlaub schließlich, um es mit einem Kabarettisten zu sagen. Urlaub ist somit anscheinend gesellschaftliche Pflicht. Ich urlaube, also bin ich. Irgendetwas muss man ja schließlich sagen können, wenn man nach dem Urlaub gefragt wird. Doch gibt es denn keine soften Methoden, um sich eine Auszeit vom Alltag zu nehmen? Die ist der eigentliche Sinn des Urlaubs. Das mag ohne Zweifel oft hilfreich sein, erzeugt vermutlich eine psychologische Umstimmung. Von deren Nachhaltigkeit bin ich aber nicht überzeugt. Die zugrundeliegenden Belastungen oder Konflikte werden mit dem Urlaub ja nicht verändert.
Ich würde vorschlagen, den eigenen Alltag auf die Möglichkeit von Fluchten und Regeneration zu prüfen. Manchmal hilft es auch, die eigenen Ziele zu korrigieren. Was kann man im örtlichen Umfeld nicht alles an Aktivitäten unternehmen! Vielleicht hilft auch die innere Einkehr, das Lesen eines Buches, Musik zu machen oder zu hören, Besuche zu machen, Besuch zu empfangen und Kontakte zu pflegen, sich an den Schönheiten der Natur zu erfreuen, Sport zu treiben. Ob der immer ähnliche Strandurlaub mit Flugreise da wirklich weiterhilft? Sonne haben wir inzwischen hier auch genug. Ich erinnere an mein privates Umweltkonzept.
Der Konflikt Urlaub und Klimakrise ist anscheinend unvermeidbar. Nach mir die Sintflut sagte man früher so dahin. Heute könnte es eher heißen: nach uns die Klimakatastrophe. Aber wollen denn die meisten Menschen denn völlig hedonistisch leben? Ich mag das nicht glauben, dass ihnen die Nachwelt einfach egal ist. Ich vermute, dass sie mehr durch Manipulation dahin getrieben werden. Schließlich gibt es sehr mächtige Player, die an unserer umweltzerstörenden Lebensweise wahnsinnig viel Geld verdienen, und unglaublich viel Geld dafür ausgeben, das es so bleibt.

