„Putin hat das Gas, wir haben die Kraft!“

Robert Habeck sendet Durchhalteparolen

Eigentlich ist Sommer, wenn es auch heute früh nur 16 Grad warm ist. Die Gaslieferungen Russlands sind mit fadenscheinigen Argumenten wieder halbiert worden. Es ist ein Spiel mit der Angst vor einem kalten Winter und einer schweren Wirtschaftskrise in der EU. Die Spritpreise scheinen als Kontrast dazu wieder zu sinken. Aber niemand weiß, wie lange das so geht. Unser Bundeswirtschaftsminister Habeck mahnt und mahnt, auch gestern in den Nachrichten. Und das sicherlich zurecht.

Mit dem Verweis auf die Energiekosten oder auch völlig ohne Begründung werden viele Güter des täglichen Lebens drastisch teurer. Da ich selbst einkaufe, weiß, was die Dinge im Supermarkt so kosten. Mehl kostet 1 Euro statt vorher 49 Ct pro Kilogramm. Milch nun 1,50 statt 1,10 Euro. Nivea Cremeseife statt 60 Ct nun 95 Ct. 8 Rollen Toilettenpapier kosten heute 3,65 EU statt vorher 2,29. Ist das gerechtfertigt?

Es gibt aber auch Produkte, die anscheinend vergessen wurden in der allgemeinen Teuer-Manie. Laktosefreier Quark kostet unverändert 79 Ct. Bei vielen verpackten Käsesorten hat sich preislich gar nichts getan. Bei Obst und Gemüse kaufe ich gerne die saisonalen lokalen Produkte. Die scheinen mir unverändert preiswert zu sein, sofern ich auf manche Edelprodukte verzichte. Tomaten für 2,49 EU pro 100 g mögen die Hersteller doch bitte behalten. Ein so niedriger Nährwert und so wenig Geschmack für soviel Geld! Was soll das?

Also, die Krise ist nicht vorbei. Wenn Putin den Gashahn abdreht, dann muss Deutschland sich warm anziehen. Soviel ist klar. Habeck muss das jetzt kommunizieren. Auch wenn es im Sommer anders wirkt. Wir befinden uns schließlich im Wirtschaftskrieg mit Russland. Wer schwere Waffen an die Ukraine liefert, muss damit rechnen. Ob das im Winter alles gut geht, wissen wir nicht. Vermutlich ist der Konflikt dann nicht vorbei.

Ich denke, Deutschland ist zu Recht auf dem Weg, sich von der russischen Gasversorgung zu lösen, um nicht erpressbar zu bleiben. Das wird aber nicht einfach. Immer wieder stellt sich die Frage, wie es zu dieser extremen Abhängigkeit kommen konnte. Gier nach billiger Energie machte offensichtlich blind. So sind nun Kernkraft und Kohle plötzlich systemrelevant. Eine weitere grüne Illusion weniger sozusagen.

Wer kann, kauft nun Öfen und Brennstoffe dazu. Gelagertes Scheitholz ist plötzlich Mangelware. Der Raummeter Buchenholz – Heizwert um 2000 kWh, nicht mehr – kostet derzeit über 200 Euro. Sofern das Brennholz überhaupt lieferbar ist. Kaminöfen sind auch ausverkauft. Mir stellt sich zusätzlich die Frage, wie man damit ein ganzes Haus heizen möchte. Da wird man selbst zum Heizer im Wortsinne. Wenn das jeder machte, käme es auch zu einer enormen Feinstaubbelastung. Das wäre eine Umweltkatastrophe der anderen Art.

Ich persönlich habe ja in meinem Haus zwei ausreichend dimensionierte Wärmepumpen-Klimageräte installieren lassen. Hoffentlich gibt es dafür im Winter genügend bezahlbaren Strom! Mit der Solaranlage auf dem eigenen Dach geht es leider nicht vorwärts. Ob das im laufenden Jahr überhaupt noch etwas wird? Die muss ja aus China bzw. Taiwan importiert werden. In den vier Wintermonaten leistet die Sonne hier ohnehin nicht sehr viel. Wenn gar nichts mehr gehen sollte, habe ich noch einen Kaminofen und etwas Brennholz.

Aber was machen Menschen, die sich nicht irgendwie helfen können? Werden sie frieren müssen, auch weil sie sich das überteuerte Gas nicht leisten können? Ich denke fast, es ist nötig, sich um ausreichend warme Kleidung zu kümmern. Handschuhe, Schals, Daunenjacken und so weiter. Ob das mit dem täglichen Duschen noch funktionieren wird? Habe heute testweise auf die Haarwäsche verzichtet. Mal ehrlich, wir haben möglicherweise zusätzlich ein Luxusproblem in Deutschland. Mein privates Umweltkonzept wird wohl neue Aspekte erhalten.

Vielleicht wird uns bewusst, dass es wichtigere Dinge gibt, als eine hochkomfortable Raumtemperatur der eigenen Wohnung oder gar eines ganzen Hauses. Essen und Trinken zu haben, Gesundheit und Kontakte, das ist doch definitiv wichtiger, als eine auf 25 Grad beheizte Wohnung. Zurück zu den Wurzeln.

Ob wir wirklich die Kraft haben, so wie Habeck es sagt, uns der Energiekrise zu stellen, das wird sich erst noch zeigen. Vielleicht sind wir alle völlig korrumpiert durch unseren Wohlstand. Ob die Bewohner unseres Wunderlandes dauerhaft zu den Prinzipien der freiheitlichen Demokratie in Europa stehen werden, auch dann noch, wenn es draußen und drinnen kalt wird? Wenn Gas ernsthaft als Waffe eingesetzt wird? Wir werden es sehen!

Oder Deutschland schafft es, bis zum Jahreswechsel das Verbrauchsverhalten tatsächlich zu ändern und andere Energieträger zu aktivieren. Ich scheue mich fast, die Worte „Tempolimit“ und „Flugscham“ auszusprechen. „E-Fuels“ könnte das nächste Unwort des Jahres werden.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Gerhard

    Seit 3 Tagen versuche ich mich schon mal daran zu gewöhnen, nach dem allmorgendlichen Ergometertrainig nur kalt zu duschen, gründlich, mit Haarewaschen und allem. Geht tatsächlich, anschließend ein sehr schönes, wohliges Körpergefühl. Ersetzt mindestens eine Stunde Yoga. Mal sehen, wie es bei <15 °C ist und ich vorher friere.

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