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Flugscham 17.4.2023, Quelle flightradar24.com

CO2-Einsparung gegen Klimakrise

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Ökologischer Fußabdruck: Mehr als Greenwashing?

Aktuell sind die Osterferien gerade vorbei. Man hört morgens jede Menge Flugzeuge am Himmel herumfliegen. Weniger Fliegen zur CO2-Einsparung gegen die Klimakrise, wie passt das damit zusammen? In Gesprächen mit Bekannten kommt jeweils schnell die Frage, wohin den unsere nächste Urlaubsreise ginge. Ich sage dann meistens, dass wir Kurzurlaube vorhätten, aber keine Flugreisen. Ins Nachdenken bin ich schon gekommen. Was ist richtig, was ist falsch?

Zunächst zeige ich mal einen Screenshot der Website Flightradar24.com. Man kann darauf die enorm vielen Flugbewegungen über Europa heute früh etwa 10 Uhr am 17.4.2023 erahnen. Flugscham ist offensichtlich von gestern. Nur über der Sahara, der Ukraine und dem südwestlichen Russland herrscht Ruhe am Himmel.

Mir kam der Gedanke, den persönlichen Fußabdruck für Heizung, Auto und eine Flugreise einmal exemplarisch zu checken. Mich interessieren besonders die Relationen, die Effekte von Handlungsänderungen. Oder handelt es sich hier nur um die Spätfolgen einer Gehirnwäsche durch die superteure frühere Werbekampagne von BP? Das ist der Ölgigant mit dem grüngelben Sonnenlogo. Ein Spezialist für Greenwashing. Haltet den Dieb! Das war das Prinzip dieser Kampagne.

Bei einer Flugreise von Düsseldorf nach Teneriffa und zurück wird pro Person etwa 1 Tonne CO2 freigesetzt. Bei einer Flugreise zu den Malediven und retour sind es ungefähr 2,6 Tonnen CO2. Der spezifische Verbrauch wird dabei mit 0,25 kg/km angegeben. So nach einem Online-Rechner.

Der eigene PKW stößt gemäß eines anderen Rechners 159 g/km CO2 aus. Das ergibt im Jahr bei 10.000 km Fahrstrecke 1,59 Tonnen CO2. Hier ist der CO2-Rechner von Quarks für verschiedene Verkehrsmittel. Damit kommt schnell heraus, dass Elektroautos nicht nur bei der Herstellung, sondern auch im Verbrauch nicht gerade CO2-frei sind. Sie sind nur etwas besser als mein böser Diesel von 2013. Das finde ich bemerkenswert. Erliegen wir gerade wieder einem Hype des Greenwashings? BP lässt grüßen.

Die Heizung des eigenen Hauses, Baujahr 1993 erzeugt pro Jahr bei 2000 cbm Erdgas etwa 3,9 Tonnen CO2. Bei einem Stromverbrauch von 4000 kWh kamen noch 0,420 kg/kWh aus dem Strommix hinzu. Auf dieser Website ist die Angabe des CO2-Faktors in g/kWh leider um den Faktor 1000 zu niedrig. 1,43 Tonnen CO2 für den Strombedarf ist realistisch bei Annahme von kg/kWh.

In der Summe würden sich für mich somit beispielsweise ca. 8 Tonnen CO2 pro Jahr ergeben, bei der Annahme einer Flugreise nach Teneriffa pro Jahr. Das ist schon eine ganze Menge. Wir betrachten hier aber nicht die Folgen des Wasserbedarfes, der Ernährung, des Konsums, der eigenen Freizeitaktivitäten, der Umweltversiegelung und viele weitere Aspekte. Letztlich klingt das in Summe alles ziemlich eindrucksvoll.

Aber nun mal Hand aufs Herz. Das Ganze mit dem Fußabdruck klingt für mich wie ein impliziter Vorwurf gegen die eigene Existenz. Höre ich da vielleicht den perfiden Vorwurf von BP: Halte doch lieber die Klappe, Du siehst doch, wohin diese Art der Betrachtung führt, konsumiere lieber. Das Ergebnis ist nämlich je nach Sichtweise absurd. Umweltbewusstes Handeln wird hier rein auf die private Ebene verschoben. BP zum Beispiel konnte zeitgleich durch massives Greenwashing im Stillen enorme Umsätze und Gewinne trotz vieler schwerer Zerstörungen der Umwelt generieren.

Ich habe hier beispielsweise einen Artikel bei Telepolis gefunden. Björn Hendrig beschreibt die Fragestellung „Fußabdruck“ recht eingehend. Ich denke, für uns Privatleute ist die einzige Chance, einen gewissen Konsumverzicht zu praktizieren. Müssen denn die Klamotten immer ganz neu sein, müssen wir ständig Fernreisen machen, müssen wir dauernd (elektro-)mobil sein, müssen wir dauernd konsumieren? Der Klimarechner des WWF ist irgendwie OK. Was zählt eigentlich im Leben? Darum geht es doch eigentlich.

Achtung Ironie: Wer einmal pro Jahr eine echte Fernreise macht, braucht sich um seinen oekologischen Fußabdruck keine Gedanken mehr machen, das lohnt dann nicht mehr. Medizinische Vorsorge wäre ja bei Rauchern eigentlich auch entbehrlich, da die Sterblichkeit sowieso viel höher ist als bei Nichtrauchern.


CO2-Einsparung gegen die Klimakrise ist offensichtlich nicht sehr populär, die Flugbewegungen über Europa vom heutigen Tage legen das nahe. Die Verlagerung der CO2-Reduktion in das Private hält allerdings den Giganten der umweltzerstörenden Ölindustrie den Rücken frei. Haltet den Dieb! Das scheint mir hier ein bewährtes Prinzip zu sein. Ich habe eine zum Test ein 49-Euro-Ticket erworben. Wir werden sehen.

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