Die USA mit Trump taumeln in einen neuen großen Iran-Krieg. Sie schätzen die Bedeutung der Straße von Hormus anscheinend nicht richtig ein. Besonders ihre verbündeten Golfstaaten sind durch den Krieg heftig getroffen. Die offiziellen amerikanischen Reaktionen wirken dabei unbeholfen, wechselhaft und großmäulig. So, als ob internationale Politik am Tresen einer Dorfkneipe gemacht würde. Kann denn ein derartiger Krieg in irgendeiner Weise gerecht sein oder ist das nur eine Utopie? Er ist jedenfalls in keinesfalls durch eine Art Selbstverteidigung gerechtfertigt, schon gar nicht durch internationale Dekrete, zum Beispiel der UN.
Die USA geben sich als unsere westliche Leitmacht, brüskieren derzeit aber alle europäischen Regierungen in unglaublich herablassendem Stil. Die Sache mit den Zöllen passt da hinein, die unverhüllte Drohung, den militärischen Beistandspakt NATO aufzukündigen, auch, von den Mitgliedern unterwürfiges Verhalten einzufordern, also genauer die Mitwirkung beim Iran-Krieg. Das ist insgesamt schon krass, eine Zumutung.
Die USA könnten Israel auch mal wegen seiner aggressiven Politik im Nahen Osten stoppen. Machen sie aber nicht. Die Bilder aus Gaza geben einen Zerstörungsgrad wieder, der nicht einmal in Köln zum Ende des Zweiten Weltkrieges bestand. Was Israel derzeit im Libanon anrichtet, ist grob völkerrechtswidrig. Wenn ich das als Deutscher so benenne, droht mir allerdings der Vorwurf des Antisemitismus. Es kommt hinzu, das Gewalt niemals langfristig Frieden schafft. Diese Spirale muss aktiv unterbrochen werden. Es geht um einen gerechten Frieden für alle. Achtung: Die USA idealisieren Israel wegen ihrer eigenen evangelikalen Verblendung.
Und damit wären wir bei dem derzeitigen Battle von Trump samt seinen Kampfhunden Hegseth und Vance mit Papst Leo. Der hat gemäß der kirchlichen Friedenslehre tatsächlich zum Frieden aufgerufen, und darauf hingewiesen, dass eine Handvoll Autokraten mit ihren Allmachtsfantasien aktuell die Welt ins Chaos stürzt. Da hat sich Trump natürlich angesprochen gefühlt, „Wahn der Macht“, das hat ihn doch getroffen. Er beschimpft den Papst, der habe keine Ahnung von Außenpolitik. Gleichzeitig postet er ein blasphemisches AI-Bild von sich selbst in Jesus-Pose als Heiler. Hegseth ruft seine Soldaten zum Pseudo-Gebet auf und zitiert aus einem Verbrecher-Epos. Vance meint, Papst Leo schulmeistern zu müssen und verweist ihn auf die abstrakte Moral.
Es ist heute offensichtlich zeitgemäß, Maßstäbe für sein Verhalten nur in sich selbst zu suchen. Was interessieren da noch die Völkergemeinschaft UN und ihre verschiedenen Institutionen. Unter Trump sind die USA zuletzt aus 66 internationalen Verträgen ausgestiegen, unter anderem dem Pariser Klimaschutzabkommen. Für die USA zählen derzeit nur direkte Vorteile in MAGA-Manier. Verschiedene Aktivitäten der WHO müssen derzeit ruhen, eine humanitäre Katastrophe ist das.
Diese aktuellen politischen Schritte der USA reihen sich nahtlos in ihre geschätzt 200 internationalen Gewaltanwendungen seit 1945 ein, davon etwa 8–10 große Kriege. Fast nichts davon war durch Mandate der UN gedeckt. Im aktuellen Iran-Krieg reklamieren die USA irgendeine dringliche Notlage, wobei aber fraglich ist, was davon stimmt. Welche Gefahr für die USA direkt – außer wirtschaftlichen Vorteilen für sie – bestünde, ist nicht nachvollziehbar. Meine Sorgen zur religiösen Kontamination des Iran-Krieges habe ich bereits beschrieben.
Dagegen wirkt die fundierte und stabile Position des DFG-VK fast schon wie aus einer anderen Welt. Die Geschichte des eher philosophischen Begriffes „Gerechter Krieg“ ist außerordentlich komplex und mehr historisch zu sehen, siehe Wikipedia. Ich erinnere mich an meine beiden Verhandlungen zur Kriegsdienstverweigerung.
Ich meine, es wie Papst Leo oder die UN-Charta so sehen zu müssen, dass es den „gerechten Krieg“ nicht gibt und niemals geben wird. Wenn, dann eher den gerechten Frieden für alle. Wenn es einmal einen gerechten Krieg geben sollte, dann wäre es einer zur Selbstverteidigung, siehe Ukraine gegen Russland. Aber dieser Krieg dauert schon wieder viel zu lange. Es müsste längst ein gerechter Frieden eingetreten sein. Wo bleibt denn die Staatengemeinschaft?
Gerechter Krieg ist für mich nur eine Utopie, eine Fiktion, ein Euphemismus. Denn ein Krieg kann niemals gerecht sein. Weil dabei Mensch sterben, weil Hoffnungen vernichtet werden, weil Lebensraum zerstört wird, weil immer Interessen der Mächtigen eine Rolle spielen.
Mir ist klar, dass der kurze obige Text die Gesamtproblematik nur streifen kann. Diese hat ja eine lange Geschichte, quer durch Anthropologie, Ethik, Religion, Philosophie und politische Erschütterungen. Was wir derzeit durch die ständige mediale Präsenz direkt mit erleben müssen, finde ich eine einzige Zumutung. Ich will aber die Hoffnung nicht aufgeben, dass bald wieder positive Gedanken in der Staatengemeinschaft stärker werden. Dieser Text musste geschrieben werden, es hat sich viel angestaut.
